LINGUAE CELTICAE


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© 2006-2012 Kurt C. Duwe
(Text und Illustrationen)

 


Vor der Zeitenwende


Rückzug nach Westen - Römer und Germanen


Das Verschwinden der Kumbrischen Sprache


Die Marginalisierung der Kelten


 

 

   

Geschichte der keltischen Sprachen (eine kleine Einführung)

   
     

Obwohl an dieser Stelle das Schwergewicht der Informationen auf den modernen (d.h. lebenden) keltischen Sprachen liegt, ist doch eine historische Einordnung notwendig. Dabei müssen neben den "insel-keltischen" Sprachzweigen auch die schon vor langer Zeit erloschenen Idiome wie Gallisch auf dem Kontinent Erwähnung finden. Auch die erst im Mittelalter endgültig ausgestorbene kumbrische Sprache soll an dieser Stelle nicht vergessen werden. Leider hat sich die geschichtliche Bewertung der keltischen Kulturen in Europa (auch im deutschsprachigen Raum) zu lange an der zeitgenössischen englischen bzw. französischen Sichtweise orientiert, sofern dieser Aspekt der europäischen Kulturgeschichte überhaupt zur Kenntnis genommen wurde. Auch stand und steht teilweise heute noch in den Geschichtsbüchern Europas im wesentlichen eine "Geschichte der Sieger". Vieles von der heutigen Situation der keltischen Sprachen Europas wurde eben durch die geschichtliche Entwicklung verursacht, so in der jüngeren Vergangenheit. Auch in den letzten Jahrzehnten gab es sehr viele Parallelen zwischen den keltischen Ländern zu verzeichnen, nicht zuletzt das Einsetzen einer "keltischen Renaissance" mit einem positiven Bewusstseinswechsel in den Sprachgemeinschaften. Diese kleine Einführung in die Geschichte der keltischen Sprachgemeinschaften betrachtet die Zeitläufe bis zum Mittelalter. Aktuellere Entwicklungen sind in der Rubrik Einführung nachzulesen - spezielle Entwicklungen in den einzelnen Ländern werden in den individuellen Seiten der sechs modernen keltischen Sprachen behandelt.

  
 
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Die frühen Kelten bestatteten ihre Kriegsführer traditionell in reich ausgestatteten Grabstätten vornehmlich auf Anhöhen wie Yr Eifl auf der walisischen Halbinsel Llyn


Vor der Zeitenwende 

Über erste Zeichen einer eigenständigen keltischen Kultur innerhalb der indogermanischen Völker wurde in Überlieferungen des 5. Jh. v. Chr. berichtet. Diese Stämme (griechisch: keltoi) erwiesen sich in ihrer Zeit vielen anderen europäischen Völkern überlegen und konnten in der Folgezeit große Teile West- und Südeuropas erobern. Hauptfaktoren dieser starken Expansion waren eine überlegene Technik der Eisenbearbeitung und wohl auch die in ihrer Glaubenswelt verwurzelte, geringe Furcht vor dem Tod - man konnte ja in der Anderwelt weiter existieren. Das soziale Gefüge war kulturell hochentwickelt, wobei die Basis stets überschaubare "Großfamilien-Verbände" blieben. Unter den freien Bauern, die Landbesitz und Weidetiere besitzen konnten, waren in der keltischen Gesellschaft unfreie Bauern und Sklaven angesiedelt. Die aristokratische Oberschicht der einzelnen Stämme bestand aus wenigen einflussreichen Familien, aus denen der König durch Wahl hervorging, aus Waffenschmieden, Kunsthandwerkern, Barden (Dichtern), Propheten und Druiden (Geistlichen). Werkzeuge, Waffen und Schmuck wiesen bedeutende Wesenszüge keltischer Kultur mit einer überschwenglichen Fülle kunstvoller Ornamente und Symbole auf. Die enge Verbundenheit mit der umgebenden Natur und die sie beherrschenden geheimnisvollen Kräfte stellten die Druiden durch rituelle Handlungen her und waren überdies für die Heilkunde zuständig. Sie waren darüberhinaus die bestgebildetsten Mitglieder der Gesellschaft. In der Periode von 500 bis 100 v. Chr. erreichte die La Téne Kultur am Alpennordrand ihre Blütezeit, die nach reichen Funden keltischer Handwerkskunst am See von Neuchatel benannt wurde. Träger der Überlieferungen und Traditionen waren die Dichter oder Barden, die es ja nach Begabung zu hohem Rang in der Gesellschaft bringen konnten. Die Überlieferung erfolgte ausschließlich auf mündlichem Wege. Dicht- und insbesondere Redekunst standen in hohem Ansehen. Ausschweifendes Leben und starke Emotionalität waren andere Kennzeichen individualistischer Lebensart, die das Entstehen großer Staatsformen von vorneherein verhindern sollten.

Die größte Ausdehnung der keltischen "Expansion" wurde im ersten Jahrtausend v. Chr. erreicht, als keltiberische Stämme das Gebiet des heutigen Spaniens, als "Gallier" subsumierte Stämme weite Teile Westeuropas und mit "Galater" bezeichnete Gruppen den Balkan und Teile Kleinasiens beherrschten. Etwa um 600 v. Chr. waren die ersten keltischen Stämme auch über den Ärmelkanal vorgedrungen und hatten sehr schnell die Urbevölkerung weitestgehend verdrängt oder assimiliert. Die ältesten irischen Erzählungen berichten schon von Auseinandersetzungen mit den als Fir Bolg (Taschenmenschen) bezeichneten brythonischen Stämmen der Iverner. Wann genau sich der brythonische und goidelische Zweig der keltischen Sprachen auseinanderentwickelten (ob vor oder während der Ausbreitung der keltischen Kultur auf den britischen Inseln) ist auch heute noch nicht abschließend geklärt. Das Gallische auf dem Festland blieb in jedem Fall der brythonischen Sprache eng verwandt. Lediglich im nördlichen Schottland scheint sich im Volk der "Kaledonier" das alte Bevölkerungs- und Kulturelement in dieser Periode erhalten zu haben. Sein Name geht bezeichnenderweise auf die einwandernden Kelten zurück. Das brythonische Wort "caled" bedeutet hart oder widerstandsfähig. Später bekamen die Völkerstämme im Norden Schottlands von den Römern die Bezeichnung "Pikten" (Bemalte).

Kurz vor der Zeitenwende begann sich das Schicksal der keltischen Völker auf dem Festland zu wenden - sie mussten ihrer Individualität und Uneinigkeit Tribut zollen. Dem gemeinsamen Ansturm der Römer und Germanen konnten sie nicht nachhaltig standhalten. Um 75 v. Chr. flüchtete der Stamm der Belger vor germanischen Angriffen in den südöstlichen Teil des heutigen England. Die Gallier unter ihrem Anführer Vercingetorix wurden 58 v. Chr. endgültig von den Römern geschlagen. Damit waren die kontinentalen keltischen Kulturen dem Untergang geweiht. Reste keltischer Sprachen überlebten aber in kleinen Gemeinschaften wohl noch einige Jahrhunderte - namentlich Galatisch wurde bis ins 5. Jh. n. Chr. im Gebiet der heutigen Türkei gesprochen. Aber auch die keltische Kultur in Britannien sollte durch die römische Expansion starke Umwälzungen erfahren. Der erste Vorstoß der Römer unter Julius Cäsar um 55 v. Chr. war indes nur kurzlebig und kam nur wenig nördlich über das heutige London hinaus. Erst ein Jahrhundert später sollte sich das Imperium entschließen, seine nördliche Grenze weiter zu verlagern.



   



"Die Kelten sind unausstehlich euphorisch im Siege und zu Tode betrübt in der Niederlage"
Aus römischen Quellen, ca. 100 v. Chr.





















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Rückzug nach Westen - Römer und Germanen 

Seit der Zeitenwende war die keltische Kultur im wesentlichen auf die Britischen Inseln beschränkt. Dabei wurde Irland nie von den Römern besetzt. Die einander widerstrebenden lokalen Stämme wurden im 3. Jahrhundert erstmals unter den Königen von Connacht vereinigt. In diese Zeit fallen auch die ersten Überfälle auf die Westküste Britanniens. Damals entstanden viele der traditionellen Sagenzyklen der "Feinne", die ihre Schauplätze in Irland und später verstärkt in Schottland fanden. Die Gälisch sprechenden Stämme im Norden Irlands wanderten auch verstärkt in das nahe südwest-schottische Gebiet von Argyll (Earra Ghaidheal = Gälen-Land) ein, wo sie die angestammte (piktische?) Bevölkerung verdrängten. Im Jahre 498 schließlich verlagerte der irische Stamm der Skoten (daher: Schottland) unter seinem Führer Riada seinen Sitz von Ulster nach Argyll. Sie brachten mit der gälischen Sprache auch die Ogham-Schrift mit, welche auch von den Pikten später übernommen wurde. Zwischen dem 6. und 9. Jh. erreichte dann die irische Kultur und die irokeltische Kirche ihre Blütezeit. Im Gegensatz zur römischen Kirche lag die Hauptbetonung der irischen Christen im Mönchstum, das in Klöstern und Einsiedeleien ein streng asketisches Leben verlangte. Die relative Freizügigkeit der Mönche erklärt viele Missionsreisen, die irische Christen in dieser Epoche durch ganz Europa führten. Einer unter ihnen war auch Columba, der 563 vor der schottischen Küste auf der Insel Iona landete und von dort das Siedlungsgebiet von Schotten und Pikten christianisierte.

Während sich in Irland also über viele Jahrhunderte hinweg relativ unbehelligt die goidelische Sprache entwickeln und zu einer literarischen und geistigen Blüte heranreifen konnte, wurden die Bewohner der britischen Hauptinsel schnell Objekt römischer Expansionsgelüste und germanischer Eindringlinge. Um 43 n. Chr. begann die zweite römische Invasion Britanniens in der Regentschaft von Cäsar Claudius - sehr schnell wurde das südliche Britannien bis hinauf zum Mersey und Humber erobert. Lediglich das gebirgige Wales und die südwestliche Halbinsel Cornwall blieben weitgehend unter der Kontrolle kleiner brythonischer Stämme. Einziger bedeutender (aber letztendlich erfolgloser) Aufstand im Südosten war jener der Icener unter ihrer Königin Buddug (Boadicea) im Jahre 61 n. Chr. Die nordwalisischen Stämme vermochten sich bis 70 n. Chr. zu behaupten, bis ihr König Caradog und die einflussreichen Druiden der Insel Môn (Anglesey) endgültig unterlagen. Das heutige Wales und Cornwall wie auch die später besetzten Gebiete des heutigen Nord-Englands und Süd-Schottlands erfuhren jedoch nur eine recht oberflächliche Okkupation, die die bestehenden keltischen Gesellschaftsstrukturen zwar beeinflusste, aber nicht zerstörte. Das römische Reich setzte danach seine Eroberung des nördlichen Britanniens fort, konnte aber nie die "Kaledonier" im Norden Schottlands unterwerfen. Das schottische Tiefland blieb zwar längere Zeit unter römischer Oberhoheit, die Kultur der Kelten vermochte sich dort dennoch zu behaupten. Im Jahre 161 n. Chr. wurde der Antoniuswall südlich von Perth endgültig aufgegeben, auch der Hadrianswall südlich der heutigen schottischen Grenze konnte die Sicherheit der römischen Provinz nicht gewährleisten. Mit dem sich immer verstärkenden Druck der Germanen und goidelischen Kelten Irlands war Rom überdies gezwungen, den lokalen brythonischen Fürsten mehr und mehr Freiheiten zu geben. Im Südosten des heutigen Englands wurden dann auch noch germanische Stämme angesiedelt, um sich gegen die über die Nordsee einfallenden Stämme zu wappnen. Die Kontrolle über Britannien fiel dem Weltreich danach immer schwerer, bis 423 n. Chr. der letzte Legionär die Insel wieder verließ.

Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt durch sehr intensive Auseinandersetzungen der einzelnen Völkerstämme auf der Britischen Insel, wobei sich sehr schnell die Germanen und gälischen Schotten als überlegen erwiesen. Die brythonisch sprechenden Kelten wurden von den Germanen alle als "Wealas" oder "Welsch" (= Fremde) bezeichnet, obwohl diese "Waliser" sehr wohl eigene Dialekte sprachen und keineswegs eine Nation bildeten. Sie sahen nach und nach ihre Königreiche von Ystrad Clud (Strathclyde um Glasgow), Gododdin (Lothian um Edinburgh) und Rheged (Galloway bis Lancaster) untergehen. Der Widerstand war intensiv und es gab auch zwischenzeitliche Erfolge der Kelten unter dem legendären Anführer Arthur, auf dessen Figur auch die Artus-Legende fußt. Letztendlich gingen der brythonischen Sprache auch die Gebiete des heutigen Devon und Somerset verloren. Erfolgreich behaupten konnten sich aber die Kelten in Wales und Cornwall; darüberhinaus erwies sich die Auswanderung im 6. bis 9. Jh. in die heutige Bretagne als überlebensfähig. Somit waren die Grundlagen für das Entstehen der drei heute noch gesprochenen brythonischen Sprachen gelegt.

Im Norden Britanniens waren die Königreiche der Schotten und Pikten im Jahre 843 unter Coinneach MacAilpein (Kenneth MacAlpine) endgültig vereinigt worden. Mysteriöserweise verschwanden damals piktische Kultur und Sprache sehr schnell von der Bildfläche; vielleicht weil das Piktische doch eng verwandt war mit den keltischen Sprachen oder vielleicht gar zu ihnen gehörte. Darüber streiten sich Gelehrte noch heute. Bis 1018 dauerte es dann schließlich (nach vielen Auseinandersetzungen mit Wikingern, Angeln und brythonischen Kelten) bis das Reich der Schotten bis zum Tweed erweitert war, wo traditionell noch heute die schottisch-englische Grenze liegt. Bis 1266 dauerte es dann noch, bis auch der norwegische König die zwischenzeitlich eroberten Gebiete und Inseln West-Schottlands wieder herausgab. Das Sprachgebiet der noch undifferenzierten goidelischen (=gälischen) Sprache umfasste zu jener Zeit Irland, die Insel Man sowie den Großteil Schottlands mit Ausnahme der Orkneys und Shetlands und einigen östlichen Küstenstreifen. Erst im 13. Jh. hatten sich die drei gälischen Idiome soweit auseinanderentwickelt, dass man von eigenständigen Sprachen ausgehen kann. Deren weitere Geschichte wird auf den sechs Seiten zu den einzelnen keltischen Sprachen geschildert.

An dieser Stelle soll aber der Sonderfall der kumbrischen Sprache nicht unerwähnt bleiben. Ein weiteres Rückzugsgebiet der Kelten war nämlich das Bergland im einstigen Königreich Rheged im Nordwesten des heutigen England; ihm ist nachstehend ein besonderes Kapitel gewidmet.

 

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Piktischer Symbolstein aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. (Nordost-Schottland)





 




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Ein Rückzugsgebiet der Kelten auf der britischen Hauptinsel war die klimatisch bevorzugte Halbinsel Cornwall







"Gwyr a aeth Gatraeth oedd ffraeth eu llu, glasfedd eu hancwyn a gwenwyn fu, tri chant trwy beiriant yn catáu - a gwedi elwch tawelwch fu ..."
..die Männer, die nach Catraeth gingen, waren eine geistreiche Truppe, frisches Met war ihre Ration, es wurde zu Gift; dreihundert zum Kampfe befohlen, nach den Freudenrufen kam die Stille....
Aneirin, 600 n. Chr.




Das Verschwinden der Kumbrischen Sprache 

Nach dem Abzug der römischen Legionäre hielt sich die brythonische Kultur noch recht lange im Süden Schottlands und dem südwestlich angrenzenden Bergland von Cumbria. Der letztgenannte Name des späteren englischen "Lake District" geht wie auch der keltische Name von Wales auf Cymru (Land der Kameraden = Kymren) zurück. Aus der Zeit um 600 entstammen die ersten überlieferten Bruchstücke brythonischer Literatur. Sie entstanden fast ausschließlich an den Königshöfen von Caer Lliwelydd (Carlisle) und Din Eiddyn (Edinburgh). Aneirin, Taliesin und Llywarch Hen waren die bedeutendsten Vertreter dieser poetischen Blütezeit. In Aneirins "Y Gododdin" spiegelt sich bereits der nahende Untergang der brythonischen Reiche des Nordens wieder: Dieses Heldengedicht beschreibt die erfolglose Expedition seines Königs Mynyddawg Mwynfawr, um das von den Angeln besetzte Catraeth (Catterick) im Osten von Rheged zurückzuerobern (in der rechten Spalte zitiert). Während sich die einzelnen brythonischen Königreiche Rheged, Gododdin (beide im 7. Jh.) und letztlich auch Ystrad Clud (11. Jh.) den übermächtigen Feinden geschlagen geben mussten, überdauerten die brythonischen Dialekte wohl noch weitere Generationen zumindest in Teilen dieses Gebiets. Die keltische Kultur der Briten (brythonisch sprechende Menschen) blieb wahrscheinlich in unzugänglichen Gebieten noch für weitere Zeit bis ins 13. Jh. erhalten. Von etwa 600 bis 1200 war genug Zeit gewesen, dass aus dem Brythonischen (oder Alt-Walisischen) eine eigenständiges Idiom entstehen konnte.

Von der verwandten kymrischen Sprachkultur fast völlig abgeschnitten, hatten die brythonischen Kelten im Nordwesten wohl auch Begriffe aus den Sprachen der Angeln und Skandinavier übernommen. Von dieser Sprache (in Akademikerkreisen u.a. als "Trümmersprache" gekennzeichnet) ist leider sehr wenig überliefert. Wie in allen keltischen Sprachen zu jener Zeit wurden Überlieferungen nur mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Schriftliche Zeugnisse kumbrischer Wörter sind denn auch nur spärlich in einigen lateinischen Texten des 10. Jh. zu finden. Ausserdem wurden natürlich bedeutende Eigennamen in anderssprachiger Literatur für die Nachwelt erhalten. Schätzungen gehen davon aus, dass niemals mehr als etwa 30.000 Personen Kumbrisch sprachen in einzelnen Teilen des Gebietes. Zum Ende des Mittelalters starb die Sprache endgültig aus, obwohl der Zeitpunkt nicht mehr festgestellt werden kann. Seriöse Quellen sprechen vom 11. Jh. für die Sprache in Ystrad Clud (Strathclyde); in Cumbria konnte Kumbrisch in einigen unzugänglichen Tälern wohl noch länger überleben. Sehr offensichtlich überdauerten dort eine Reihe von Ortsbezeichnungen wie die Berge Helvellyn und Blaencathra oder die Namen der Siedlungen Carlisle, Penrith oder Penruddock. Doch das Kumbrische verschwand nicht spurlos, sondern Wörter dieser Sprache überdauerten die Jahrhunderte in den hier beheimateten englischen Dialekten. Berühmte Beispiele sind natürlich die Zählweisen der Schäfer und beliebte Kinderreime, die bis ins 20. Jh. kumbrische Zahlen verwendeten wie "pimp" (fünf) oder "dek" (zehn).

   



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Im Bergland von Cumbria - dem späteren englischen "Lake District" - hielt sich mit dem Kumbrischen eine weitere keltische Sprache bis ins Mittelalter







Yan, tuan, tethera, methera, pimp, sethera ...
"Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs ..."
im Schäferdialekt von Keswick in Cumbria

     



Die Marginalisierung der Kelten 

Mit der Entwicklung der englischen und französischen Reiche am Ende des Mittelalters wurden die keltischen Gebiete mehr und mehr zum Objekt von Eroberungsplänen in London oder Paris. Nach und nach verloren alle keltischen Sprachgemeinschaften ihren Status als offizielles Idiom der Obrigkeit; ihre Länder verloren ihre Unabhängigkeit und waren fortan der Machtpolitik des französischen oder "britischen" Staates ausgeliefert. Trotzdem zeigten die Kelten einen bemerkenswerten Überlebenswillen, der ihre Kultur trotz aller bedrohlichen Ereignisse bis ins 21. Jh. hinüberrettete.

Informationen zur Geschichte der einzelnen modernen keltischen Sprachen seit dem Mittelalter geben die individuellen Seiten von LINGUAE CELTICAE über Schottisch-Gälisch, Irisch, Manx, Walisisch (Kymrisch), Kornisch und Bretonisch. Allen gemeinsam war eine Geschichte der geographischen und gesellschaftlichen Marginalisierung, auf deren generelle Zusammenhänge auch in der Einführung besonders eingegangen wird.

 

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