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Gaeilge (Irisch)

 

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Einführung in die irische Sprache: Gaeilge

     

Die irische Sprache hat sich direkt aus jenen keltischen Idiomen entwickelt, welche sich fast ohne römischen Einfluss auf der Insel relativ selbständig entwickeln konnten. Im Laufe der englischen Kolonialzeit und gerade in den letzten zwei Jahrhunderten vor der Unabhängigkeit des Irischen Freistaats wurde das Irische schließlich in einige wenige unzugängliche Gebiete im Westen der Insel zurückgedrängt. Trotz der starken Förderung der Sprache im unabhängigen Irland (Irisch ist offizielle Staatssprache neben Englisch) blieb Irisch als Umgangssprache auf einige wenige Gaeltachtaì (irischsprachige Gebiete) und eine gebildete Diaspora in den Städten beschränkt. Heute zeigt sich jedoch eine verstärkte Hinwendung der Bevölkerung zum irischen Erbe - es gibt eine sehr große Zahl von Kindergärten und Schulen, in denen Irisch als Unterrichtssprache verwendet wird. Nach der aktuellsten Volkszählung von 2011 wurden mehr als 1,7 Mio. Sprecher (41,4 % der Gesamtbevölkerung) registriert. In den sogenannten Gaeltachtaì lebten 66.238 gälischsprachige Personen (69,5 % der lokalen Bevölkerung), von denen die Mehrheit Irisch als Umgangssprache verwenden. In Nordirland wurden 2001 darüberhinaus über 100.000 Irischsprechende verzeichnet, insbesondere in den katholisch geprägten Distrikten. Mit Wirkung vom 1. 1. 2007 wurde Irisch-Gälisch endlich auch offizielle Arbeitssprache der EU.




Sprachliches

Mindestens so früh wie 600 v. Chr. hatte die keltische Kultur vom europäischen Festland die Insel Irland erreicht. Erste Zeichen der Sprache sind aus dem 4. Jh. v. Chr. durch Inschriften in Ogham-Zeichen überliefert. Zu diesem Zeitpunkt wies die Sprache bereits Kennzeichen des goidelischen Sprachenzweiges des Keltischen auf. Sie unterschied sich von der auf der Nachbarinsel (und in Gallien) gesprochenen brythonischen Variante u.a. durch die häufige Verwendung des Anfangsbuchstaben "C" anstatt eines "P" (Beispiel: Irisch ceathar und Walisisch pedwar für die Zahl "vier"). Anders als seine keltischen Brudersprachen auf der Britischen Hauptinsel wurde das Irische kaum vom lateinischen Einfluss und die Kultur der Römer inspiriert. Auch sind von frühen Formen des Gaeilge (Old Irish genannt) einige der frühesten Literaturquellen überliefert von allen Sprachen nördlich der Alpen.

Irisch ist die Mutter auch der beiden anderen goidelischen keltischen Sprachen (Schottisch-Gälisch und Manx), die erst relativ spät ihre eigenen Entwicklungen nahmen. Langezeit wurde im Irischen ein eigenes Schriftalphabet verwendet, das hier und da noch in alten Inschriften und natürlich in älterer Literatur zu finden ist. Mit der Übernahme des lateinischen Alphabets wurde diese Tradition obsolet. Dies hatte (neben vielen offensichtlichen Vorteilen) auch zur Folge, dass die früher durch einen Punkt über dem jeweiligen Konsonanten angedeutete Lautwandlung durch das Nachstellen eines "h" ersetzt werden musste. Dies führte naturgemäß zu länglicheren Schriftzügen und für Laien unaussprechbaren Wörtern. Es gibt drei Hauptdialekte des Irischen: An Mhumhain (Munster) im Südwesten, Connachta (Connaught) im Westen und Ulaidh (Ulster) im Norden.

Details zur Orthographie, Aussprache und anderen grammatikalischen Besonderheiten des Irischen sind (in englischer Sprache) sehr gut unter Omniglot und Wikipedia beschrieben. Die deutschsprachige Version von Wikipedia ist nicht identisch und komplementär.




 
 

Die Halbinsel von An Daingean (Dingle) im Westen Irlands gehört zu den wenigen Gebieten, in denen Irisch überwiegende Umgangssprache ist




Kleine Tipps zur Aussprache:
Gaeilge = Gellege (zweites e kaum wahrnehmbar)
Èire = Erra (sehr rollendes r)

Geschichte

Die goidelische Sprache Irlands konnte sich jahrhundertelang ohne großen äusseren Einfluss weiterentwickeln. Dies war in starkem Gegensatz zu den Kelten Britanniens, die zuerst durch Römer und später durch Germanen entscheidend beeinflusst wurden. Eine sehr schöne und umfassende Darstellung der Geschichte der irischen Sprache wird von der Irischen Botschaft vorgelegt. Es sei an dieser Stelle auf eine sehr ausführliche Darstellung hingewiesen.

Seit 1973 hat sich ein dramatischer Anstieg in der Zahl der gälischsprachigen Grundschulen Gaelscoileanna ergeben, wie auch einer eindrucksvollen Grafik zu entnehmen ist. Im Rahmen des "Good Friday Agreements" wurde dann auch eine gemeinsame Organisation zur Förderung der irischen Sprache auf der ganzen Insel aus der Taufe gehoben: Foras na Gaeilge.

Census (Volkszählung)

Zahl der Irisch-Sprecher

1861
1871
1881
1891
1901
1911
1921
1926
1936
1946
1961
1971
1981
1986
1991
1996
2002
2006
2011

1,077,087
804,547
924,781
664,387
619,710
553,717
543,511
540,802
666,601
588,725
716,420
789,429
1,018,413
1,042,701
1,095,830
1,430,205
1,570,894
1,656,790
1,774,437


Gaeilge: Anzahl der Sprecher im Gebiet der Republik Irland lt. Census von 1861 bis 2011


 


Conamara (Connemara) war eines der wenigen Rückzugsgebiete der irischen Sprache, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts verblieben waren

Gegenwart

Momentan befindet sich das Irische stark im Umbruch. Nachdem die Bestimmungen für den kontraproduktiven "Zwangsunterricht" an Schulen sowie für die einst obligatorischen Sprachtests bei Bewerbungen im staatlichen Dienst gelockert wurden, entwickelte sich ein steigendes Wohlwollen der Bevölkerung gegenüber dem Irischen. Das erhöhte Selbstbewusstsein der Irisch-Sprechenden zeigt sich derzeit auch in den Bemühungen, Irisch als offizielle Sprache in der EU anerkennen zu lassen. Zu Zeiten des Beitritts wollte die irische Regierung damit nicht die Verhandlungen belasten - so ändern sich die Zeiten. Besonders rasant hat sich die irische Schullandschaft verändert. Im Jahre 2006 gab es bereits 163 irischsprachige Grundschulen und 38 Sekundarschulen mit mehr als 33.000 Schülern ausserhalb der Gaeltacht. Auch die irischsprachigen Vorschulgruppen zeigen ein großes Wachstum, wobei die mehr als 80 Naíonra in der Gaeltacht etwa 1.000 Kinder betreuen. Gerade auf ihnen lastet ein großer Teil der Hoffnung der Sprachenthusiasten.

Seit Frühjahr 2005 ist das neue Sprachgesetz in Kraft getreten. Es regelt u.a. auch die Verwendung der irisch-gälischen Sprache auf Wegweisern und an öffentlichen Gebäuden. In der Gaeltacht ist jetzt einsprachige Beschilderung Pflicht; im übrigen Irland muss zweisprachig ausgeschildert werden. Es bewegt sich derzeit wirklich viel in der irischen Sprachpolitik. So ist der erste Jahresbericht des An Coimisinéir Teanga (Sprachombudsman) insbesondere sehr kritisch gegenüber der bisherigen Bildungspolitik und ihrer augenscheinlichen Unfähigkeit, fließend Irisch sprechende Schüler hervorzubringen. Das Geld könnte effektiver eingesetzt werden - der altmodische Unterricht hat jedenfalls nicht die erhoffte Wirkung gezeigt.




 

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Zukunft  

Nimmt man einmal die Anzahl und Intensität der Aktivitäten zum Maßstab, die sich neuerdings für den Erhalt des Irischen einsetzen, so sind die Vorzeichen für Gaeilge in Irland so positiv wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Allerdings ist natürlich nicht zu übersehen, dass das Überleben (oder gar die Weiterentwicklung) als normaler Umgangssprache in geschlossenen Sprachgebieten immer noch auf wackeligen Beinen steht. Jedenfalls haben die Iren alle Freiheit, sich dieser Herausforderung zu stellen. Die anderen keltischen Sprachgemeinschaften können davon nur träumen; vielleicht kommen die Waliser diesem Traum noch am nächsten.




 
   
Weitere Informationen  

Die irische Sprache ist derzeit präsenter im Leben und in der Verwaltung des Landes als in vielen Jahrhunderten zuvor. So sind viele offiziellen Internet-Seiten des irischen Staates zweisprachig und man kann relativ leicht neueste Informationen über die Entwicklung der irischen Sprachgemeinschaft erhalten. Einige spezielle Adressen seien aber nachstehend explizit aufgeführt. Informationen zu irischsprachigen Schulen sind bei Gaelscoileanna zu erhalten. Generell Belange der Gaeltacht werden von der entsprechenden Regierungsorganisation Údarás na Gaeltachta vertreten. Künstlerische Aktivitäten in den irischsprachigen Gebieten organisiert u.a. Ealáin na Gaeltachta. Darüberhinaus hat jetzt Foras na Gaeilge die Federführung für die Förderung des Irischen in beiden Teilen der Insel.

Tipps für Sprachschüler sind in unserer Rubrik Lernen enthalten.




 
 

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